Bereits vor einem Jahr hatte ich das Privileg für ein Projekt nach Neuseeland reisen zu dürfen. Ziemlich genau ein Jahr später darf ich erneut ein paar Tage in diesem wunderschönen Land verbringen. Was ich vor einem Jahr nicht geschafft habe, hole ich nun diese Tage nach. Im November 2013 durfte ich zwar ein paar Tage in Christchurch verbringen wobei mir mein Terminkalender allerdings keine freien Tage gönnte. Aus diesem Grund habe ich es nur geschafft, von Christchurch selber ein paar Bilder zu schiessen und zu posten.

Dieses Jahr schaffe ich es mich vier Tage los zu reissen und mit meinem Mietauto eine Touristenstrecke abzutingeln. Meine Route bringt mich rund 1'000 km weit in Neuseeland herum und führt mich von Christchurch nach Kaikoura über Nelson runter nach Westport. Dann die Westküste runter nach Greymouth und über den Arthur's Pass zurück nach Christchurch.


Die Strecke zu fahren ist wunderschön, die Vegetation ist absolut beeindruckend und die Strassenverhältnisse sind einwandfrei. Alles erinnert mich ein wenig an Zuhause, ausser dass die Landschaft schneller wechselt: Von eher rauem Alpenklima rüber zu subtropisch lässt sich in weniger als zwei Stunden erreichen. Es ist ein Erlebnis an der Ostküste Neuseelands die Pacific Alpine Road hochzukurven und sich wie auf einer Strecke nach Grindelwald im Berner Oberland zu fühlen, während es auf der anderen Seite wieder abwärts Richtung Kaikoura geht und man im Auto plötzlich wieder den Knopf für die Klimaanlage sucht.

Während die Ostküste doch relativ touristisch ist und eine gute Infrastruktur bietet, so ist die Westküste einiges rauer was sie sicher auch ihrer Vergangenheit zu verdanken hat. Westport beispielsweise ist ein ehemaliges Kohleabbaudorf, dessen Geschichte sich übrigens gut im Coaltown Museum nachvollziehen lässt. Westport hat in der Gründungszeit Neuseelands bis nach dem Ende des zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle in der Belieferung Neuseelands und der Alliierten Streitkräfte mit Kohle gespielt. Dieser Stolz spiegelt sich heute noch in diversen War Memorials und wird auch im erwähnten Museum lebendig dargestellt.

Meine Reise dauerte lediglich vier Tage und hat eingeklemmt zwischen diversen Terminen stattgefunden. Neuseeland ist aber bestimmt eine weitere Reise wert - wohl mit Camper das nächste Mal um ein wenig mehr Flexibilität zu haben.

Empfehlenswerte B&B's während der Reise:

Tresco's B&B in Blenheim: Einfaches aber hübsches und sauberes B&B. Geführt wird es von Ian, einem netten älteren Herren der viel zu erzählen hat. Sein Hund Dudley (von Ian stehts "little fellow" genannt) ist ein kleiner Pinscher (?) und legt sich beim ersten Kontakt mit Gästen gleich auf den Rücken. Nichts mit Wachhund.

Ambleside B&B in Nelson: Sehr nettes Betreiberehepaar. Robyn und Kees van Duyn bieten seit rund 13 Jahren ein paar Zimmer in ihrem schönen Haus am Stadtrand von Nelson an. Nicht ganz günstig (2 Personen rund NZD 200.-- / Nacht), aber dafür kriegt man auch was. Das Zimmer ist ausgesprochen sauber, das Haus gut unterhalten, der Garten hübsch (kann man gut benutzen und schön sitzen!) Robyn und Kees sehr gastfreundlich und das Frühstück üppig. Ein guter Ort mit netten Menschen, definitive Empfehlung.

Am 22. Februar 2011 um 12.51 Uhr Ortszeit erschütterte ein als Nachbeben (!) klassifiziertes Erdbeben Neuseelands zweitgrösste Stadt Christchurch. Obwohl das Beben vom 22. Februar "lediglich" ein Nachbeben des sogenannten Darfield Erdbebens vom September 2010 darstellte und auf der Momenten-Magnitudenskala mit 6.3 MW einen tieferen Wert erreicht hat als das vorangehende Darfield Beben mit 7.1 MW, hat es die weitaus schlimmere Zerstörung angerichtet. Der Grund war das sehr Nahe an Christchurch und nur 5 Km tief liegende Epizentrum des Bebens, das Stadt und Bevölkerung völlig unvorbereitet getroffen hat. 

Am 23. Februar um 11.29 Uhr deklarierte der Premierminister John Key den "National State of Emergency". An diesem Tag, also lediglich knapp 24 Stunden später, waren bereits Katastrophenhilfekorps aus den Vereinigten Staaten, Singapur, Japan, Taiwan und dem Vereinigten Königreich unterwegs nach Neuseeland. Als Nachbar reagierte auch Australien sehr schnell und sandte 75 Mann als Rettungseinheiten bereits 12 Stunden nach der Katastrophe in die betroffene Stadt. Zusätzlich wurden 300 Polizisten aus Australien nach Neuseeland versendet um die Verkehrsregelung zu überwachen, aber auch um Plünderungen vorzubeugen. Dafür wurde die Truppe bei der Ankunft am Flughafen mit sofortiger Wirkung auf Neuseeländisches Recht eingeschworen und unter Neuseeländisches Kommando gestellt. Das Kriegsschiff HMNZS (Her Majesty's New Zealand Ship) Canterburydas zu diesem Zeitpunkt im Hafen von Lyttelton vor Anker lag, versorgte rund 1'000 obdachlos gewordene Personen mit Schlafplätzen und Mahlzeiten. Im Osten der Stadt wurden Feldlazaratte der Australischen und Neuseeländischen Streitkräfte aufgebaut um Triagen durchführen zu können um die öffentlichen Spitäler zu entlasten.

Die Neuseeländische Wirtschaft wurde ausserordentlich stark in Mitleidenschaft gezogen: Die Wirtschaftsleistung von Christchurch zählt rund 15% zur gesamten Wirtschaftsleistung Neuseelands. Die Kosten werden heute ca. auf NZD 40 Milliarden geschätzt und man rechnet erst in 50 bis 100 Jahren mit einer vollständigen Erholung der Wirtschaftsleistung.

Die heftigen Stösse haben viele historischen Gebäude im Stadtzentrum schwer in Mitleidenschaft gezogen, aber auch diverse moderne Stahlbetonkonstruktionen gaben unter der Wucht des Bebens nach. Ca. 10'000 Häuser mussten (oder müssen) abgerissen werden und 100'000 Gebäude wurden teilweise unbewohnbar.

Das Beben dauerte 25 Sekunden und hat zu 185 Todesopfern und rund 5'900 verletzten geführt.

"In einer Hotelbar in Niigata, beginne ich langsam die extrem subtile soziale Interaktion die kontinuierlich vorkommt, die feinsten Gesichtsregungen, die Gesten, die Stimmen und deren Tonlage, die Körpersprache der Yakuza zu verstehen." So beginnt die Reise von Anton Kusters zur "Subkultur" der Yakuza in Japan zu derer er uns in einem seiner Fotobücher mitnimmt. 

Die Verhandlungen um Zugang zu den Yakuza zu erhalten haben über 10 Monate gedauert und Anton Kusters ist wohl einer der Einzigen der darüber eine Fotoreportage erstellt hat. Das Buch und die Bilder geben also Einblick in einen äusserst verschlossenen Teil der Japanischen Gesellschaft. Die Yakuza sind in Japan der Oberbegriff von "gewalttätigen Gruppen" die in mafiösen Strukturen organisiert sind. Das Ansehen hat in den letzten Jahren jedoch stark gelitten, womit auch das zur Schau tragen ihrer Symbole (meist grossflächlige und farbige Tätowierungen) in der Gegenwart nicht mehr allzu offensichtlich gemacht wird zumal dies seit 1993 in Japan auch strafbar ist.

Insofern gibt das Buch Einblick in eine Organisation die im Westen kaum bekannt und die enorm sagenumwoben ist. Streng hierarchisch organisiert, bestens vernetzt, einem strengen Kodizes folgend und absolut loyal zeigen sich die Mitglieder der Yakuza - ein sehenswertes Zeitdokument, hier erhältlich (rund 75 Euro, inkl. Versand in die Schweiz).

http://antonkusters.com/projects/yakuza/
http://antonkusters.com/projects/yakuza/
http://antonkusters.com/projects/yakuza/
http://antonkusters.com/projects/yakuza/
http://antonkusters.com/projects/yakuza/

Die Fotografin Niki Feijen ist spezialisiert auf das sogenannte "Urban Exploration". In ihrer neusten Fotoserie bildete sie Einrichtungen aus längst verlassenen Häusern ab. Sie hat so ein zeitgeschichtliches Dokument des urbanen Verfalls geschaffen, das sehr eindrücklich zu betrachten ist. Die Bilder führen uns schlagkräftig vor Augen, dass letztlich nichts absolut beständig ist und alles verändernde Umstände urplötzlich eintreten können. Beispielsweise illustriert das noch gemachte Bett und die am Schrank zum anziehen bereit hängende Jacke auf dem Bild hier unten, dass die Bewohner mit dem Verlassen des Hauses wohl nicht urplötzlich gerechnet haben.

Auch auf dem zweiten Bild ist das Bett noch gemacht, die Bilder hängen an der Wand und der Fernseher steht bereit für die allabendliche TV-Show zum einschlafen, während auf einem weiteren Bild sogar die Pantoffeln noch vor dem Wohnzimmersessel liegen.

Eine weitere und absolut sehenswerte Fotoserie von Niki Feijen ist jene aus Chernobyl, von dessen Bildern auch durchaus erschwingliche und signierte Exemplare existieren.

Das Grand Hôtel Terminus in Cahors ist das älteste Hotel in der Stadt. Gebaut wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts als der Bahnhof in Cahors eine wichtige Station auf der Reise zwischen dem Süden Frankreichs und dem schon damals für das Land äusserst wichtigen Paris war.

Müde Reisende konnten sich zwischendurch im Restaurant La Balandre verpflegen und so gestärkt ihre Weiterreise antreten. Interessant am Restaurant la Balandre ist, dass es zur Gründungszeit lediglich das eigentlich Bahnhofsbuffet darstellte. Allerdings war dieses, gemäss der Geschichte der Gründer, schon damals so gut, dass viele Reisende nur wegen dem Restaurant ihre Reise unterbrachen um am Bahnhofsbuffet von Cahors zu Essen.

Aufgrund dieses Erfolgs war es der Familie Marre möglich, einen bescheidenen Wohlstand zu erarbeiten und danach das wunderschöne Haus ca. 1911 zu erbauen um dann im Hotel Terminus auch Übernachtungsmöglichkeiten anbieten zu können.

Credits goes to the Marre Family, owners of the Terminus since its beginnings in the early 20th century.Ein Bild des Hotel Terminus, bevor die Terrasse dazugebaut wurde. Die Bäume auf dem Trottoir (das damals noch mit Gras bewachsen war) existieren übrigens heute noch.
Die eigene Garage des Hotels.
Der damalige Eingang des Hotels. Heute wird dieser Eingang, der mittlerweile mit einem Glasdach überdacht ist, für das Restaurant verwendet.
Ein etwas späteres Bild des Hotels. Gut zu erkennen sind die bereits etwas gewachsenen Bäume.
Auf diesem Bild ist die Terrasse gut zu erkennen. Auch das Trottoir wurde ausgebaut und vom Gras befreit.
Heute dürfen hier eigentlich keine Autos mehr parkiert werden, was die Franzosen aber nicht davon abhält ihre Peugeots auf den Gehsteig zu stellen.

Auf der Postkarte ist explizit ausgewiesen, dass das Hotel schon damals fliessendes warmes (!) Wasser, Zentralheizung, ein Telefon, eine eigene Autogarage mit Mechaniker (!), Badezimmer und natürlich ein Fumoir sowie einen Lesesaal hat. Die Garage existiert übrigens heute noch und man kann sich lebhaft vorstellen, wie ein junger Mann stolz an diversen teuren und luxuriösen Automobilen die eine oder andere Reparatur gemacht hat.

Den Benzingeruch kann man sich heute noch in seiner Phantasie ausdenken und man fühlt sich wahrhaftig zurückgesetzt in die "Belle Époque".

Yves Marchand und Romain Meffre haben mit "Modern Ruins of Abandoned Detroit" wahrhaftig ein beeindruckendes Zeitdokument geschaffen. Die Beiden haben Detroit portraitiert, wie die Stadt sich nach der grossen Finanzkriese 2008 entwickelt hat.

Woodward Avenue, Detroit
Michigan Central Station
Ballroom, American Hotel Detroit

Zu finden gibts die ganze Fotoserie hier. Zu sehen sind die Bilder übrigens zur Zeit in Zürich (Stand August 2013) und war Edwynn Houk Gallery.

Eine sehr eindrückliche Bilderserie hat Peter Menzel zusammengetragen. Menzel ist dabei der Frage nachgegangen, die Unterschiede der Familien und ihrer Besitztümer zu dokumentieren. Das Setting ist immer das Gleiche: Familien posieren vor ihrer Hütte, Wohnung, Haus etc. wobei alle ihre Besitztümer um sie herum aufgestellt sind.

India: The Yadev Family
Japan: The Ukita Family
United States: The Skeen Family

Das Buch kann auf Amazon bezogen werden. Weitere Details auf www.petermenzel.com.

Eine Reihe fantastischer Bilder aus den Vereinigten Staaten der 70er Jahre. Die Bilder stammen aus einem Projekt, dass die US Umweltbehörde 1971 in Auftrag gegeben hat und unter dem Namen Documerica gelaufen ist.

Entstanden sind eine Reihe "Real-Life" Bilder die Land und Leute ohne nationalistischen Pathos oder ähnlichem dokumentieren. Sehr schön anzuschauen!

http://www.theatlantic.com/infocus/2013/07/

School children on their way home in Great Kills, on Staten Island, in May of 1973. (Arthur Tress/NARA)
Labor Day weekend brings the annual Garfield County Fair Parade in Rifle, Colorado, September 1973. (David Hiser/NARA)

Stellt sicher, dass ihr euch alle Bilder anschaut!

Alexander Semenov aus Russland ist nicht nur Zoologe mit einem Interesse für Meerestiere, sondern auch ein guter Fotograf. Und fotografieren tut er wirklich gut: seine Unterwasserbilder, vor allem jene von Quallen sind überragend.

Alexander SemenovJellyfish against the sky

http://clione.ru/